Internationales Naturfoto-Festival der GDT 2009 - Ein Rückblick
Text: Martin Eisenhawer
Fotos: Mark Gross, Karen Korte
Das Internationale Naturfoto-Festival 2009 ist Geschichte. Grandiose Bilder, staunende Gesichter, fachsimpelnde Kollegen, traurig stimmende Einblicke in Missstände in der Natur, die neuste Technik in der Hand, kurz: ein hochintensives langes Wochenende mit unglaublich vielen Eindrücken! Viele Gäste kommentierten: Das war das beste Festival seit Langem!
Lünen und das GDT-Festival, das sind zwei Begriffe, die bei Naturinteressierten allgemein und in der Naturfotografie-Szene im speziellen zu einem Markenzeichen geworden sind. So strömten dann auch von Freitag bis Sonntag mehr als 5000 Besucher aus 19 Ländern durch die Ausstellungen, den Fotomarkt, die Seminare und Vorträge.
Der Freitag stand einerseits im Zeichen der Wettbewerbe „Europäischer Naturfotograf des Jahres 2009“ (ENJ) und „Fritz Pölking Preis 2009“. Die aus vielen Ländern angereisten Preisträger wurden zunächst bei einem kleinen Umtrunk begrüßt, dann wurde zur Siegerehrung geschritten. Diese fand erstmalig am Freitag statt, war sehr gut besucht und fand ihren ersten Höhepunkt in der Präsentation des Gesamtsiegers des Wettbewerbes „Europäischer Naturfotograf des Jahres 2009“. Das Siegerbild „Gänsegeier im Kadaver“ von Juan Tébar Carrera aus Spanien, ein so noch nie gesehenes Motiv, sorgte zunächst für Stille im Saal, die dann in sehr animierte Diskussionen überging. Der Fotograf wurde auf die Bühne gebeten und legte in einer bewegenden Ansprache die philosophischen Grundzüge seines fotografischen Schaffens dar.
Danach wurde der nächste große Preisträger verkündet. Der weltbekannte amerikanische Fotograf Kevin Schafer wurde mit dem Fritz Pölking Preis ausgezeichnet. Seine einzigartige Arbeit über die Amazonasdelfine, unter Wasser und vom Land aus fotografiert, erhielt einen langen Applaus des Publikums. Schließlich wurde der 17-jährige Fergus Gill aus Schottland für sein Portfolio „Schottland im Winter“ mit dem Fritz Pölking Nachwuchspreis ausgezeichnet. Sebastian Erras, seit kurzem verantwortlich für die GDT Jugendgruppe, erzielte mit seinem Portfolio zum Thema Vogelfotografie den zweiten Platz. Nach der Siegerehrung im Theater ging es dann auf die Galerie des Hansesaals zur Ausstellungseröffnung, wo Florian Möllers eine Laudatio auf das Siegerbild des ENJ aus Sicht der Jury hielt.
Martin Eisenhawer begrüßt Preisträger und Referenten
Gregor Hermanns (Canon), Gesamtsieger Juan Tébar Carrera und Martin Eisenhawer
Andy Rouse nahm den Fritz Pölking Nachwuchspreis für Fergus Gill entgegen.
In der Mitte: Gisela Pölking und Brigitte Tecklenborg. Rechts: Martin Eisenhawer
Die Fotografinnen und Fotografen unter den Besuchern konnten am Freitag auch an verschiedenen Seminaren teilnehmen. Wann ergibt sich schon einmal die Möglichkeit, von einem Star der Szene wie National-Geographic-Fotograf Joel Sartore die Umsetzung eines Projektes für National Geographic hautnah miterleben zu können und auch noch die eigenen Fragen vom Meister höchstpersönlich beantwortet zu bekommen? Joel sprach von Technik und Ausrüstung, aber vor allem auch sehr eindringlich von der Verpflichtung, die er als Fotograf habe, wichtige Geschichten im Dienste des Umweltschutzes zu dokumentieren. In einem weiteren Seminar hatten Fotografinnen und Fotografen die Möglichkeit, ihre Bilder der konstruktiven Kritik von etablierten GDT-Fotografen auszusetzen. Viele Teilnehmer nahmen dankbar diese Möglichkeit wahr, ihre eigene Fotografie weiterzuentwickeln. Last but not least führte Claus Brandt von FOTOCAMPUS sein Publikum in die neusten Entwicklungen der Bildbearbeitung mit Photoshop unter der Berücksichtigung von Wettbewerbsregeln ein.
Samstagmorgen eröffneten Lünens Kulturdezernent Horst Müller-Baß und GDT Präsident Martin Eisenhawer das Festival vor ausverkauftem Haus. Die Regionalgruppe Mecklenburg-Vorpommern sorgte mit ihrem Vortrag „Adler, Kraniche und Me(e)hr…“ für einen fulminanten Start in das Vortragsprogramm. Mit sehr ästhetischen Bildern wurde die Natur ihrer Heimat vorgestellt, gleichzeitig aber auch auf die Gefährdung von Natur und Landschaft abseits der Idylle hingewiesen. Danach wurde die Show von Andy Rouse aus Großbritannien gezündet; er nahm das Publikum mit auf eine Reise seines Schaffens als Naturfotograf während eines Jahres; witzig, spontan und impulsiv wie immer. Winfried Wisniewski folgte mit viel Action-Bildern von Bären, Seeadlern, Sterntauchern und Kampfläufern aus dem sommerlichen Skandinavien, worauf sich passend Jari Peltomäki aus Finnland mit seinen wunderbaren Eulenbildern aus der Taiga und Tundra anschloss. Nach der Mittagspause ging es weiter mit dem Vortrag von Berndt Fischer zu verschiedenen Formen tropischer Wälder und deren Ausbeutung und Bedrohung.
Festival-Referenten 2009: V.l.n.r. Winfried Wisniewski, Andy Rouse, Jari Peltomäki, Stefano Unterthiner, Dietmar Nill (1. Reihe), Dos Winkel, Sandra Bartocha, Cornelius Nelo (1. Reihe), Claudia Müller, Ingo Seehafer (1. Reihe) und Dr. Peter Wernicke. Nicht im Bild: Manuel Presti, Joel Sartore und Paul Nicklen.
Anschließend wurde durch GEO und die Deutsche Wildtierstiftung der „Deutsche Preis für Naturjournalismus“ und der Nachwuchspreis „Der Wilde Rabe“ verliehen. Die Preisträger sind Sabine Böhne, Susanne Stockmann, Dr. Pia Heinemann und Susanne Flatau.
V.l.n.r.: Christine Gundlach (Deutsche Wildtier-Stiftung), Sabine Böhne, Susanne Stockmann,
Dr. Pia Heinemann , Susanne Flatau und Ruth Eichhorn (GEO)
Anschließend zeigte Manuel Presti aus Italien, 2005 Gesamtsieger beim „Wildlife Photographer of the Year,“ seinen stimmungsvollen und sehr ästhetischen Vortrag „Lichter und Formen“, bevor Paul Nicklen, zur Zeit einer der angesagtesten Fotografen von National Geographic und Sieger beim World Press Award, für seinen Vortrag über die Gefährdung der Polarregionen mit unglaublichen Bildern und den entsprechenden Geschichten standing ovations erhielt und damit für den krönenden Abschluss des ersten Vortragstages sorgte.
Parallel zu den Vorträgen konnten die Gäste über den großen Fotomarkt schlendern, sich über die neuesten Kameras wie die Canon 1D Mark IV informieren und diese mal in den Händen halten, Fotobücher erstehen oder Fotoreisen buchen oder einfach mal wieder mit alten Bekannten ein Schwätzchen halten. Die Firmen Canon, Nikon und Bogen Imaging boten an diesem Tag auch noch spezielle Produktpräsentationen an. Die Händler waren hoch zufrieden, das Geschäft lief gut.
Mit der Eröffnung des Büffets um 20 Uhr begann der gemütliche Teil des Abends, der für einige Gäste sehr spät endete. Zum Glück schenkte uns die Zeitumstellung wie in jedem Jahr eine zusätzliche Stunde Schlaf.
Am Sonntag wurde das Vortragsprogramm mit dem sehr instruktiven Vortrag zum Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Schweiz von Ingo Seehafer fortgesetzt. Danach brachte uns Joel Sartore mit eindrücklichen Bildern nahe, dass die Naturfotografen eine grosse Verpflichtung zum Schutz von Natur und Umwelt haben und auch auf fotojournalistischem Weg dieses Anliegen verfolgen sollten. Zum Glück hatte er seine Stimme wiedergefunden, am Samstagabend war diese (als Folge seines Seminares) nicht mehr existent. Dietmar Nill gab mit seinem Beitrag zur Highspeed-Fotografie einen Ausblick auf eine mögliche Zukunft der Naturfotografie. Besonders überzeugend waren Sequenzen, in denen eine Fledermaus einen Nachtschmetterling fängt, ihn regelrecht einwickelte. Cornelius Nelo berichtete sehr gut recherchiert über den kompletten Lebenszyklus der Kegelrobben und ging ohne zu polemisieren auf die Problematik der Robbenjagd ein. Stefano Unterthiner aus Italien zeigte dann sein wunderbares Projekt über die Crozet Islands und ihre Fauna. Monatelang unter Wanderalbatrossen und Königspinguinen: ein Traum! Zum Abschluss der Vorträge zeigte der Niederländer Dos Winkel seine eindrucksvollen und oft zum ersten Mal fotografierten Eindrücke der Unterwasserwelt, von ganz klein zu ganz gross, auch hier wieder mit besonderem Bezug auf die Gefährdung eines weltumspannenden Lebensraumes und überdies mit Sprachwitz und Humor.
Lünen 2009 war etwas ganz Besonderes, freuen wir uns auf 2010!
Und hier noch einige Bilder vom Geschehen vor und hinter den Kulissen:
Wie alles anfängt ...
Das "Aufbau-Team": Werner Bollmann, Sandra Bartocha, Horst Ecker und Bernd Lamm
Bernd Lamm: "Houston, wir haben ein Problem!" | Gut, wenn große Männer (Finn Rhode) im Team sind.
Die Ruhe vor dem Sturm: Karen Korte allein im Festival-Büro
Unterschreiben, Eintüten, Sortieren...: Thomas Block, Eberhard Giese, Silvia Galli,
Andrea Antelo, Barbara Bollmann und Marc Hesse
Freitag, das Festival beginnt ...
Referenten, Preisträger und Besucher treffen ein.
Gute Stimmung beim Meet-and-Greet für Referenten und Preisträger
Martin Eisenhawer und Markus Botzek moderieren die Preisverleihung | Barbara Bollmann,
verantwortlich für die Beamer-Show
Juan Tébar Carrera (E) , Europäischer Naturfotograf des Jahres 2009
Jasper Doest (NL), Sieger der Kategorie "Andere Tiere"
Michel Roggo (CH), Sieger der Kategorie "Pflanzen und Pilze"
Heinz Buls (D, GDT) belegte den 2. Platz in der Kategorie "Pflanzen und Pilze".
Marcin Dobas (PL) hatte eine Lobende Erwähnung in der Kategorie "Landschaft" und
übersetzte die Ansprache von Mariusz Oszustowicz (PL), dem Gewinner dieser Kategorie.
Reto Pupetti (CH) belegte den 2. Platz in der Kategorie "Mensch und Natur".
Daniel Koelliker (CH), Zweitplatzierter der Kategorie "Unter Wasser"
Startklar für die Ausstellungseröffnung | Vor dem Sekt gibt's noch eine Ansprache
Juan Tébar Carrera, Florian Möllers und Martin Eisenhawer
Inge Hagens beim Katalog-Verkauf
Großformatige Abzüge vom ganzen Wettbewerb, endlich! Und die Auswahl der Juroren
Maurizio Biancarelli (I), Theo Bosboom (NL), Florian Möllers, Dr. Siegmar Bergfeld und
Ariane Müller (alle drei D,GDT) kommt ebenfalls sehr gut an.
Der Freitag endet mit einem gemütlichen Abend im Foyer des Hansesaals.
Samstag, das Festival ist in vollem Gange ...
Gespanntes Warten vor der Eröffnung
Winfried Wisniewski präsentiert: Moderator Markus Botzek im neuen GDT-Shirt | Winni und Andy Rouse
Gekonnt - wie immer: Die Moderation von Florian Möllers
Der Held der Technik: Bernd Nill mit Bogdan Romaniszyn, technischer Leiter des Hilpert-Theaters
Gedenken an den im Oktober verstorbenen Horst Niesters, Gründungs- und Ehrenmitglied der GDT
Und der Preis des Publikums geht an...Terry Whittaker (GB).
Florian Möllers und Friederike Bollmann bei der Bekanntgabe.
Beate Raberg, Übersetzerin auf dem Festival, Paul Nicklen und Florian Möllers
Das Vortragsprogramm ist für heute beendet - Zeit fürs Büffet
Spontane "After-Work-Party" im Festival-Büro
Sonntag, Endspurt ...
Joel Sartore und Paul Nicklen am GDT-Büchertisch
Besucherandrang auf der Galerie
Markus Botzek interviewt Dietmar Nill zum Thema Highspeed-Fotografie
Der Festival-Fotograf macht Pause: Mark Gross
Auch in diesem Fall wird Karen Korte keine Zeit finden, Ihre Mahlzeit zu verzehren.
Alles vorbei? Noch nicht ganz! Referenten, Vorstand und Helfer bei der Abschiedsfeier
am Sonntagabend



































































